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Annemarie

Ein Glückgriff aus Estland

Als wäre sie schon immer da

Alltag mit einem neuem Familienmitglied
YFU Austria:

Bei euch wohnte ein Jahr lang Elin aus Estland. Warum habt ihr euch entschieden ein Gastkind aufzunehmen?

Annemarie:

Aus dem Grund, da unsere eigene Tochter ebenfalls ein Austauschjahr macht und auch von einer "fremden" Familie aufgenommen wird. Somit wollten wir auch einem Austauschschüler diese Chance bei uns geben, außerdem ist ja ein Zimmer frei :-).

Erstes Foto mit Gastschwester auf der Heimfahrt vom Flughafen
YFU Austria:

Was hat Elin am Anfang am Zusammenleben verwundert?

Annemarie:

Die Tatsache, dass Kinder in unserem Haushalt nicht unbedingt sehr viele Aufgaben haben und zwingend mithelfen müssen. Außerdem fand sie es seltsam, dass Einkäufe, Kochen und der meiste Haushalt von der Mutter gemacht wird und nicht vom Vater. In ihrer Familie hat der Vater diese Aufgaben.

YFU Austria:

Erzählt eine Anekdote aus dem Alltag mit eurer Gastschülerin!

Annemarie:

Elin aß doch tatsächlich im August unsere noch grünen und unreifen Äpfel vom Baum und meinte, die seien süß.
Lachen müssen wir immer wenn Elin "mountains" sieht und sah, die bei uns eher nur als Hügel bezeichnet werden. Verständlich aber auch, weil in Estland alles flach ist.
An einem schönen warmen Herbsttag mit ca. 23 Grad saßen wir draußen mit langer Hose und T-Shirt, Elin aber hatte " Hochsommer" und war ohne Schuhe und mit kurzer Short und T-Shirt bekleidet.

YFU Austria:

Wie sind die Rollen in der Familie verteilt? Welchen Platz nimmt euer Gastkind ein?

Annemarie:

"Manager": Mama Annemarie plant und managt alles, damit der Haushalt und das Umfeld funktioniert und hat auch die Familie "im Griff".
Papa Roman ist die ruhige Seele in der Familie und für diverse Ausflugsfahrten unser Chauffeur und Reiseleiter.
Tochter Barbara stellt unsere Nerven täglich auf die Probe, da sie nie zur rechten Zeit fertig wird und die "Chaos-Ordnung" voll beherrscht.
Tochter Victoria weilt derzeit in Lettland und ist immer im Gedanken und im Herzen bei uns.
Gasttochter Elin ist der ruhige Pol im Haus, hat nie Stress und macht uns immer wieder neugierig auf ihre Heimat Estland und verwöhnt uns mit ihren guten Bäckereien und Kama Schaum (ein estnisches Dessert mit Kama-Mehl).

YFU Austria:

Wann hat sich der Alltag mit eurem Gastkind eingestellt? Woran habt ihr das gemerkt?

Annemarie:

Schwierig zu sagen, aber ca. nach 4 Wochen war jeder in seinem Trott, Schule hatte begonnen und jeder hatte seine Aufgaben zu erledigen .... und jetzt nach fast 3 Monaten ist es, als wäre sie schon immer hier.
Bemerkt haben wir es daran, dass die "Sorge" um sie und das "Kümmern" um die Gasttochter bzw. Gastschwester nicht mehr an erster Stelle stand und wir Elin eigentlich gar nicht mehr extra wahrnehmen. Mittlerweile kommt auch sie am Morgen fast zu spät aus dem Bett und das Frühstück fällt relativ kurz aus oder ganz weg ;-).

YFU Austria:

Was hattet ihr für Vorstellungen von eurem neuen Familienmitglied? Was hat sich bewahrheitet, was war anders?

Annemarie:

Unsere Vorstellung: nettes aufgeschlossenes, neugieriges und höfliches Mädchen und wir wussten, dass Elin groß ist.
Bewahrheitet hat sich eigentlich alles, wir machten einen "Glücksgriff".
Was anders war: oh mein Gott, sie ist wirklich groß! Die Selbständigkeit ist außerdem einerseits im Haushalt voll da, aber im sozialen Umfeld wiederum doch nicht.

YFU Austria:

Was macht eure Familie typischerweise gemeinsam? Wie hat die Aufnahme eines Austauschschülers das verändert?

Annemarie:

Gemeinsame Verwandtenbesuche, Mittagessen am Wochenende (wochentags sind nicht alle gleichzeitig daheim), Shopping-Nachmittage.
Shopping in größeren Centers gehen wir eher nicht, da Elin das nicht gerne mag und sich dabei langweilt und Menschenmassen meidet. Ansonsten hat sich tatsächlich nichts geändert.