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Margret

So einfach kann es sein

mit einer Gasttochter aus Estland

Die Familie erweitern mit einer Austauschschülerin
YFU Austria:

Seit Sommer wohnt bei euch die YFU-Austauschschülerin Johanna aus Estland. Warum habt ihr euch entschieden ein Gastkind aufzunehmen?

Margret:

Da unsere Tochter Lea letztes Jahr in Argentinien war, war es für uns selbstverständlich auch einmal jemanden bei uns aufzunehmen. Einerseits um die Rolle, die Perspektive zu wechseln - selbst Gastfamilie zu sein und andererseits auch, um einen Beitrag für die Sache, den SchülerInnenaustausch von YFU zu leisten.

Wandern mit Freunden im Ötschergebiet
YFU Austria:

Erzählt eine Anekdote aus dem Alltag mit eurem Gastschüler!

Margret:

Anfangs sprach Johanna aus Estland nur Englisch. Da sie in Estland schon etwas Deutsch gelernt hatte, konnten wir schon in den ersten Wochen vorwiegend auf Deutsch umsteigen, obwohl ihr da das Englisch noch viel geläufiger war. In der vierten Woche suchte sie einmal fieberhaft nach einem Wort. Als sich herausstellte, dass ihr das englische Wort für das deutsche "wieder" entfallen war - mussten wir alle sehr herzlich lachen.

YFU Austria:

Wie sind die Rollen in der Familie verteilt? Welchen Platz nimmt euer Gastkind Johanna ein?

Margret:

Das Zusammenleben mit Johanna ist recht unkompliziert, anfangs war sie Gast und ich als Gastmutter machte mir großen Stress, sie gut zu versorgen. Das hat sich aber rasch normalisiert. Bald wurde die Bezeichnung "unsere Töchter" stimmig und Johanna wurde Teil unserer Familie. Recht nahe Momente erlebten wir während der Weihnachtsvorbereitungen. Ähnlich ist es für Lea - es gibt distanziertere Phasen und richtig nette Situationen. Oft denke ich, dass sie uns nächstes Jahr fehlen wird.

YFU Austria:

Was hat euer Gastkind am Anfang am Zusammenleben verwundert?

Margret:

Das regelmäßige gemeinsame Essen war für Johanna eher fremd. In Estland essen SchülerInnen viel in der Schule, ja die Schulen sind sogar verpflichtet, die Kinder zu versorgen.

YFU Austria:

Was hattet ihr für Vorstellungen von eurem neuen Familienmitglied? Was hat sich bewahrheitet, was war anders?

Margret:

Wir hatten uns für Johanna entschieden, weil sie ähnliche Interessen wie Lea angab: Musik, Sport, Kunst, Fotografie. Daraus ergab sich dann auch wirklich, dass sie zusammen in einem Laien-Chor singen. Lea wollte auch eine ältere Schwester, weil sie meinte, diese wäre selbständiger und bräuchte nicht so viel Betreuung. Diese Punkte haben sich bewahrheitet. Die Befürchtung, dass Johanna in ihrem Austauschjahr "nur" Ausgehen will, ist überhaupt nicht eingetreten - dieser Eindruck war in den ersten Mail-Kontakten mit Lea im Facebook entstanden. Ich bin froh, dass Johanna ausgeht, sich mit Freunden trifft und ich habe mir noch nie Sorgen machen müssen, weil sie sich immer an die Vereinbarungen hält.

YFU Austria:

Was macht eure Familie typischerweise gemeinsam? Wie hat die Aufnahme eines Austauschschülers das verändert?

Margret:

Wir essen, fernsehen, wandern, machen kleine Reisen zusammen. Unser Verhalten hat sich nicht wesentlich verändert. Immer wieder begleitet Johanna uns auch bei Wanderungen. Aber da sie recht selbständig ist, können wir sie ohne Bedenken zu Hause lassen, wenn sie nicht mitkommen will, außerdem geht Lea auch nicht mehr immer mit. Zu Allerheiligen machten wir eine 4 tägige Reise nach Krakau und in den Semesterferien fuhren wir nach Ramsau - Skifahren, Snowboarden und Langlaufen.

YFU Austria:

Wann hat sich der Alltag mit eurem Gastkind eingestellt? Woran habt ihr das gemerkt?

Margret:

Der Alltag ist schleichend gekommen. Zeichen waren, dass sie sich von selbst zum Fernsehen gesetzt hat - ohne spezielle Einladung. Oder auch, dass sie den Geschirrspüler ausräumt und ich mich nicht mehr jedes Mal explizit bedanke. Auch als ich mich traute, ihr kleine Aufträge z.B. Einkaufen zu übertragen. Wie gesagt, das Zusammenleben mit Johanna ist angenehm unkompliziert und für uns eine Bereicherung!